Messor barbarus die erste Winterruhe ist zu Ende, ein ereignisreiches, zweites Jahr beginnt!

Messor barbarus eine Winterruhe vergeht nicht immer ohne Verluste, es gibt auch tote Ameisen, das ist normal.
Falls die nicht schon in der Winterruhe entsorgt wurden, konnten, machen sie es jetzt,
der angefallene Müll wird gleich mit entsorgt.

Kleinere Kolonien können damit Probleme haben, in der Winterruhe kommt es schon mal zu erhöhter Kondenswasserbildung.
Müll und auch Körnervorrat verkleben dann, oder gammeln sogar, diesen Unrat bekommen sie alleine nicht aus dem Nest.
Das kann auch so weit ausarten, das der Ausgang versperrt ist und sie gar nicht mehr aus dem Nest kommen.
Haben sie im Reagenzglas überwintert, oder gibt es keine weiteren sauberen Kammern im Nest, brauchen sie Hilfe.
(Durchgang wieder freilegen und neue Nestmöglichkeiten anbieten)
Größere Kolonien, so ab 100 Arbeiterinnen, kommen da besser klar.
Die da schon vorhandenen größeren Arbeiterinnen sind kräftiger und räumen schon so Einiges aus dem Weg,
aber auch hier beobachten, wie es sich entwickelt und notfalls helfen.

Was ist noch zu tun?
Frische Körner anbieten, damit sie ihre Vorräte wieder auffüllen können.
Insekten nehmen sie kaum, der Bedarf wächst erst mit der Aufzucht von Larven.
                        
 

Gelegentlich anbieten und bei Bedarf in kürzeren Abständen anbieten.
Müll und tote Ameisen müssen entfernt werden.

Kleine Gips- oder Ytongnestern sind bei zu nasser Haltung über den Winter so vergammelt, das sie ausgetauscht werden müssen.
Leben sie noch im Reagenzglas, ist es an der Zeit, ihnen ein größeres Nest anzubieten.
Hier ein Beispiel.
   

Rechts in der kleinen Schachtel haben sie überwintert, im Reagenzglas mit roter Folie leben sie noch.
Links ein kleines externes Ytongnest. Die beiden kleineren Löcher links sind zur Bewässerung.
Sie haben bereits angefangen, die ersten Körner in ihr neues Heim zu transportieren.
Manchmal geht das auch daneben und sie tragen ihren Müll ins neue Nest.

Es braucht nicht lange und Sie sind wieder dabei, Larven aufzuziehen.
                                           

Ziehen sie erstmal solche dicken Larven auf, könnt ihr euch auf die ersten Majorarbeiterinnen freuen.
                    
Nagut die richtigen Großen werden es noch nicht, aber doch schon beeindruckend.

Ihr normaler Lebensraum ist Erde, sie graben liebend gern.
Auch bei Erdhaltung bieten sie viel Beobachtungspotenzial, sind eine aktive Ameisenart.
So richtig Begeisterung kommt jedoch nicht auf, der Einblick ins Nest fehlt da meistens.

Gips- und Ytongnestern werden angenommen und geben einen guten Kompromiss.
Diese Nester können ruhig etwas größer sein, bei guter Haltung entwickeln sich diese Ameisen schnell, es geht richtig voran.
Sie neigen dazu, noch nicht bewohnte Nestkammern als Müllhalde zu benutzen,
Müll, den sie später wieder heraustragen, wenn es mehr Arbeiterinnen sind.

(Ist die Kolonie mit weniger als 50 Arbeiterinnen aus der Winterruhe gekommen,
ist es gut möglich sie noch weiter im Reagenzglas und kleiner Arena zu halten)

Ansonsten brauchen sie mehr Auslauf, eine größere Arena muss her.
Die kann nicht groß genug sein, allerdings verteilten sich die noch wenigen Ameisen soweit darin,
dass es ein ziemliches Gesuche wurde, wenn ich sie beobachten wollte.
Auch hier helfen nur Kompromisse.
Eine Möglichkeit, ein großes Becken unterteilen mit einer Plexiglasscheibe, die später entfernt wird.
Hat so seine Tücken, ist nicht dicht zu bekommen ohne das später noch Spuren des Scheibeneinbaus sichtbar bleiben.
Zudem ist es gleich eine teure Investition und der Platz dafür muss auch vorhanden sein.
 
Eine weitere Möglichkeit, ein kleineres Becken mit Bohrungen für Erweiterungen.
Über kurze Schläuche oder Plexiglasrohre sind schnell weitere Becken angeschlossen.
Der Schlauchinnendurchmesser kann bei so kleinen Kolonien ruhig noch etwas kleiner sein, 6-10 mm sind brauchbar.
Lange Verbindungen sind bei einer so kleinen Kolonie noch nicht angebracht.
Mit so einer Modulbauweise habe ich gute Erfahrungen gemacht, die Anlage kann einfach dem Entwicklungsstand angepasst werden.
Lässt sich gut in einem Regal verteilen und so auf kleinerem Raum betreiben.
Eine Einschränkung gibt es dabei, Messor barbarus lieben keine kräftigen Steigungen in den Schlauchverbindungen.
Ein weiterer Vorteil einer solchen Anlage, sie lässt sich für Transporte (Winterquartier) zerlegen.
Auch können Anlagenteile ausgetauscht werden, die nicht mehr passend sind.

Nach einer kurzen Übergangszeit ist die Winterruhe vergessen, diese Ameisen entwickeln schnell wieder die von ihnen gewohnten Aktivitäten.
Wie schon im Vorjahr, immer wieder kleine oder zerteilte Insekten anbieten, dazu verschiedene kleinere oder zerdrückte Körner.
Hatte sich die Kolonie im Gründungsjahr gut entwickelt und die Arbeiterinnenanzahl liegt so um die 100,
nehmen sie auch größere Körner (z. B. Hirse), die bekommen sie auch selber klein.
Insekten, die sie nicht nehmen, am nächsten Tag wieder entfernen, angetrocknete Tiere nehmen kleine Kolonien nicht.
Sie schleppen nur unnütz damit herum.

Ist es in der Arena trocken, können die Körner länger liegen bleiben.
Ist es zu feucht, wird es halt grün in der Anlage, auch eine Art von Dekoration.
So feucht sollte es allerdings in ihrem Lebensraum erst gar nicht werden.
Sie vertragen es jetzt immer trockner, im Gegenzug brauchen sie etwas Wasser, so abgesichert das sie darin nicht ertrinken.
Gibt es im Nest irgendwo Kondenswasser, was nicht sein sollte, gehen sie auch da ran.
Nicht selten sind sie dabei zu beobachten, wie sie Wasser an feuchteren Stellen saugen.
Mit steigender Arbeiterinnenanzahl wird Wasser immer wichtiger, sie trinken besonders bei trockener Haltung so Einiges.

Sie sind in der Lage mehr Larven aufzuziehen als Arbeiterinnen vorhanden sind.
Ist die Entwicklung der Arbeiterinnenanzahl am Anfang noch stagnierend, geht es bald zügig weiter.
Das kündigt sich schon im Vorfeld an, sie verwerten Insekten, die sie früher nicht angerührt haben.
Auch die Anfangs ungeliebten Mehlwürmer finden immer mehr Beachtung (länger überbrüht und zerkleinert).
Der Bedarf an Eiweiß steigt deutlich, sie können fast alles gebrauchen.

Rapide nimmt die Anzahl der Ameisen zu und schnell ist das im Frühjahr angebotene Nest auch schon wieder zu klein.
Die Entwicklung bei Messor barbarus kann allerdings auch richtig schleppend voran gehen, die Ursachen dafür sind die Haltungsbedingungen.
Normale Raumtemperaturen sind ein Grund, sie brauchen es wärmer, so 24°C sollte es schon sein.
Eine Tag/Nachtabsenkung ist nicht nötig.

Bei guter Pflege trifft es nicht zu, das sich diese Art nur langsam entwickelt.
Ca. 3 Monate nach der Auswinterung waren es bei mir mehr als 1000 Ameisen.

Unter den schlüpfenden Ameisen sind immer mehr richtig große Arbeiterinnen, mit großem Kopf und kräftigen Mundwerkzeugen (Mandibeln).
Diese Entwicklung lässt sich durch höhere Temperaturen und abwechslungsreiches Eiweißfutter positiv beeinflussen.
Es gibt jetzt kleine Ameisen (Minorarbeiterinnen), große Ameisen (Majorarbeiterinnen) und viele Zwischenstufen.
Einige dieser kräftigen, großen Ameisen haben einen dunkelroten Kopf.

                   

In der Rotausfärbung der Köpfe gibt es starke Unterschiede, die Intensität und der Farbton variieren ganz beträchtlich

Messor barbarus                                 

Auch hatte ich Kolonien, wo es kaum Ameisen mit dieser Farbgebung gab, bei anderen Kolonien hatten auch kleinere Ameisen rote Köpfe.
Selbst in einer Kolonie tritt diese Farbgebung über längere Zeit beobachtet,
bei den schlüpfenden Ameisen im unterschiedlichen Verhältnis und mit unterschiedlicher Intensität auf.
Bei einer anderen Kolonie waren alle größeren Ameisen sogenannte „Rotköpfe“
Auch große Ameisen mit normalem Kopf sind vorhanden, sowie kleinere Ameisen mit großem Kopf und kräftigen Mandibeln
Unterschiedlich ist auch der Zeitpunkt, ab dem diese Ameisen zu beobachten sind.
Sporadisch hatte ich schon kleinere Ameisen mit rotem Kopf im Gründungsjahr, bei einer Koloniengröße unter 60 Arbeiterinnen.

Ihr seht es gibt viel Interessantes mit der Beobachtung dieser Art.

So ab 300 Ameisen ist es möglich die Schlauchverbindungen deutlich zu verlängern, bis zu 2 Meter ist machbar, später ist noch mehr drin.
Innendurchmesser 16 - 20mm, bei zu großem Innendurchmesser besteht die Gefahr, dass sie ihren Müll in den Schläuchen deponieren.
Damit sich kein Kondenswasser bildet, sind kleine Löcher wichtig, es kleben ihnen sonst die transportierten Körner fest.
Sieht zwar gut aus wie sie sich abmühen, für die Ameisen bringt es nichts, sie verlieren die Lust und lassen es liegen.
Verbindungen vorher zu verlängern, kann eine langsamere Entwicklung verursachen, wenn sie ihr Futter da durchzerren müssen.

Ist schon beeindruckend was sie so an Müll, so produzieren,
größere Kolonien schroten ihn so klein, dass kaum noch zu erkennen ist, was es mal war.

                               

Selbst von größeren Insekten (Heuschrecken) bleibt nichts mehr übrig.
Der Müll kann zu einem Problem werden, wenn sie keinen weiter vom Nest entfernten Platz haben, wo sie ihn ablegen können.
Wenn es gut läuft, bringen sie ihn auch in ein anderes Becken, kann auch sein das sie ihn gerade da stapeln, wo er unerwünscht ist.
Den Müll, wie früher zu entfernen, ist vorbei bei einer Koloniengröße ab 500 Ameisen.
Schnell sind viele Helfer zur Stelle, zwicken in die Finger und beißen sich am Reinigungswerkzeug fest.
Scheibenreinigung ist genau so eine Freude.
Mit anderen Worten, es wird schwieriger die Anlage sauber zu halten.
Kann mir gut vorstellen, dass so Mancher jetzt anfängt, über die schöne Einrichtung in seiner Anlage nachzudenken.

Ein weiterer Punkt, der jetzt immer mehr in den Vordergrund tritt, ist die Ausbruchssicherung.
Sie nagen so Einiges durch, dazu gehört auch Gips und Ytong.
Siliconverklebungen, die so breit sind, dass die Ameisen durchpassen, halten auf Dauer auch nicht Stand.
Wenn sie einen Weg aus der Anlage gefunden haben, sind sie gleich in großer Zahl unterwegs um ihre neue Freiheit zu erkunden.
Sie kommen auch wieder zurück, sammeln ein was sie gebrauchen können und bringen es mit.

Die Entwicklung der Kolonie schreitet jetzt immer schneller voran, so langsam wird deutlich
das Messor barbarus sich zu richtig großen Kolonien entwickeln.
Nest, Arena schnell schon wieder zu klein.
Hier ein externes Nest, Ytong hochkant, angeschlossen an eine kleine Arena für eine mittlere Kolonie.

         

Von der Arena geht es über ein Kunststoffrohr zum Nest, hier der Eingang.
                

Und dann kommt der Tag, wo es richtig voll wird, wo es schon wieder Zeit ist,  über einen größeren Neubau nachzudenken.

               

Ist das jetzt ein Grund zur Sorge?
Aus meiner Sicht, „NEIN“, im Gegenteil es ist geschafft, die Kolonie hat jetzt eine Arbeiterinnenanzahl erreicht, wo richtig was los ist.
Es ist jetzt möglich ihnen verschiedene Becken anzubieten, mit langen Verbindungen, sie machen es mit.
Richtig gesehen falsch ausgedrückt, es ist eine Notwendigkeit ihnen den nötigen Bewegungsraum anzubieten um sie
aktiv und ohne Verhaltensstörungen zu halten.
Ameisenstraßen, worüber in den Foren zu lesen ist, sie sind jetzt zu beobachten, allerdings nur in den Verbindungswegen
zwischen den einzelnen Becken.
Sie sind richtig begeistert, was Futter angeht, Insekten werden überaus gierig angenommen, habe mich so manches Mal gewundert,
wo sie diese unterbringen, auch Körner, was geht, wird gebunkert.
Gibt es genug Einlagerungskapazität, es nimmt kein Ende, was sie so heranschleppen.

Es sind jetzt so viele Ameisen, das es sich lohnt, sie zu beobachten.
Ich umschreibe es einfach mal so, auch die Ameisen beobachten jetzt indirekt ihren Halter.
So eine große Kolonie stellt Ansprüche an ihren Halter.
Habt Ihr eine Vorstellung wie sich diese Art weiter entwickelt?
Denke schon, gehe davon aus, dass es auch euere Vorstellungen sind, eine attraktive, muntere Ameisenart aufzuziehen.
Wie es sich weiter entwickeln kann, habt Ihr  hier  sicherlich schon gelesen.

Ein paar Bilder noch.

                    

Als größerer Kolonie sind sie viel an Wasser zu beobachten.
Sie trinken ausdauernd und können dennoch nicht viel mitnehmen.
Messor barbarus geben kein Futter an andere Arbeiterinnen weiter (betreiben keine Trophallaxis).
Was bleibt ihnen dadurch übrig, jede Ameise muss sich selber auf den Weg machen und Flüssigkeiten bis ganz ins Nest tragen.

                        


Eine ereignisreiche Zeit war es bis hier hin.

Aus meiner Messor barbarus Haltung, habe ich versucht es darzustellen, was bei der Haltung dieser Art zu erwarten ist.
Ihr habt es schon bemerkt, ich habe Vergangenes und Aktuelles verwendet um die Entwicklung einer interessanten Ameise aufzuzeigen,
zu dokumentieren, darzustellen, wie es mit dieser Art vorangeht.
Wenn Ihr meine Berichterstattung bis hier verfolgt habt, werdet Ihr feststellen, dass es noch besser geht,
oder auch nur mit Mühen kriechend langsam voran ist drin.
Solange die Kolonie noch eine Königin hat, ist immer die Chance da, dass es noch was wird.

Meine Berichterstattung ist, wenn ich es lese, was ich hier auf meiner Homepage über Messor barbarus so geschrieben habe,
rückführend zu meinen Anfängen mit dieser Art, wie soll ich es sagen, sehr positiv dargestellt.
Es liegt daran, das es heute für mich einfach ist, diese Art zu halten.

Dabei gehen schnell die Probleme der Vergangenheit, unter die es gab.

Königinnen, die keine Eier legten.
Königinnen, die einfach starben.
Königinnen, mit denen es nicht voranging, sie fraßen ihre Larven und Eier immer wieder auf.
Gründerkolonien, wo die Arbeiterinnen alle starben.
Gründerkolonien wo vorhandene Arbeiterinnen nicht mehr wieder zu finden waren.
Gründerkolonienverluste durch Zwangsumsiedelung.
Gründerkolonien die ihren Müll so geschickt gestapelt hatten, dass sie nicht mehr aus dem Nest kamen und starben,
weil ich es als Aktivitätspause gedeutet hatte.
Kolonien, die im Kondenswasser verklebten und nicht überlebten.
Schimmel und Gammel im Nest mit entsprechenden Verlusten.
Kolonien, die dahindümpelten, sich nicht weiter entwickeln wollten.
Fehlschläge mit Nestkonstruktionen.
Viel zu feuchte Haltung, auch das Gegenteil ist mir passiert.
Ameisensterben durch Handpflegemittel oder verwendete Arenamaterialien.
Ameisensterben durch gekaufte Insekten.
Gründerkolonien, die sich richtig gut entwickelt hatten und dann einfach starben.
Gründerkolonien, die sich richtig gut entwickelt hatten, wo die Königin starb.

Wie Ihr seht, es gab für mich reichlich Probelehme, Fehlschläge, wo ich immer wieder neu anfangen musste.

Bis hier her stand die Sorge im Vordergrund, sie durchzubringen, jetzt treten immer mehr andere Dinge in den Vordergrund.

    >>  Hier geht es weiter  <<   [Das 3. Jahr]