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Messor barbarus ein gutes Stück der Gründung ist geschafft
Das erste Erfolgserlebnis, das motiviert, es mit einer nicht alltäglichen Ameisenart weiter zu versuchen. Erste selbst herangezogene Ameisen, das hat was und weckt Erwartungen auf eine interessante Ameisenhaltung.
Was erwartet Ihr jetzt von Messor barbarus? Richtig was los in der Arena, Ameisen, die reichlich Aktion bieten, Ameisen die Körner schleppen?
Nein dem ist nicht so, es beginnt jetzt die schwierigste Zeit in der Gründungsphase. Die Erstlingsameisen (Pygmäen) dieser Art sind sehr sensibel und reagieren schnell mit sterben, wenn die Umweltbedingungen für sie ungeeignet sind.
In dieser Phase der Gründung liegen die wirklichen Probleme, aus der die Folgerung abgeleitet werden kann, Messor barbarus sind schwer zu halten? Das ist kaum verständlich, wenn ihre Haltung als größere Kolonie betrachtet wird, da gibt es weite Variationsmöglichkeiten im Bereich Temperatur, Boden und Luftfeuchtigkeit. Ist die Kolonie erst einmal größer, trifft das alles nicht mehr zu, einfach leicht zu halten.
Habt Ihr wenig Erfahrungen mit Ameisen, versucht es nicht mit einer Königin oder kleinen Kolonien, das wird nur selten was. Auch wenn es mehr Euros kostet, mit einer Kolonie so ab 100 Arbeiterinnen zu beginnen, sind sie einfacher zu halten, es lohnt sich und die Aussichten sie durch zu bekommen sind wirklich besser.
Auf den Bildern ist eine 3 Monate alte Kolonie zu sehen, begonnen mit einer Königin, die Anfang Februar ausgewintert wurde

So sieht das nicht immer aus, viele Ameisen die eine gute Basis für einen erfolgreichen Start ergeben. Es ist mir schon passiert, das die Königin auch nur 2 Arbeiterinnen aufgezogen hat. Meistens wurde das dann mit einer Tragödie beendet, so wenige Ameisen sind schnell verloren.
Gut das sind Erfahrungen die sich ergeben, Erfahrungen, die Nachdenken erfordern, um neue Wege zu erarbeiten. Eine meiner Ideen war es, um den Stressfaktor „Umzüge“ zu minimieren, diese Ameisen gleich in einem großen Nest zu halten. Es ist machbar aber auch nicht angebracht, wenn es darum geht, die ersten Erfahrungen mit Messor barbarus zu sammeln.
Kontrollierte Haltungsbedingungen sind im Kleinen besser herzustellen als in einer großen Anlage. Die Zeit für weiträumige Anlagen kommt erst noch, Anlagen, die es möglich machen, das Beobachtungspotenzial das diese Ameisen bieten können, so richtig zu erforschen und mit daran teilhaben zu können, wie sie leben.
Habt Ihr eine Vorstellung, was aus der Haltung dieser Ameisen werden kann? Mich hat es mehr als überrascht, so etwas hatte ich nicht erwartet.
 So könnten sie sich entwickeln?
Ist so etwas überhaupt möglich, wie ist es hinzubekommen, welche Voraussetzungen müssen dazu umgesetzt werden? Wollt Ihr das überhaupt, seit Ihr bereit und habt Ihr die Möglichkeiten, eine Ameisenkolonie, die richtig groß werden kann, zu pflegen und zu betreuen.
Ohne Winterruhe geht es meistens nicht, auch wenn diese nur kurz ist und bei milderen Temperaturen möglich ist. Das sind interessante Fragen, bei deren Lösung ich helfen kann! Erste Vorausblicke auf etwas Beobachtungswertes. In der Realität ist es leider nicht so, es wird Geduld abverlangt, Pflege und Betreuung ohne das wirklich, was los ist. Das macht es richtig schwer sie intensiv zu betreuen, immer Verschiedenes zu versuchen, ihnen zerdrückte Körner oder kleinere Samen anzubieten und dann kommen noch die Insekten, die sie als Eiweißnahrung benötigen. Das sind wichtige Voraussetzungen, die es zu lösen gilt.
Nach dem Schlüpfen der ersten Arbeiterinnen geht es nur langsam voran, das ist so und kein Grund, um besorgt zu sein. Kaum Aktivitäten, sporadisch tragen sie wenig an kleinen oder zerdrückten Körnern ein, die dann für Wochen reichen. Ein kleines Insekt (Mücke, kleine Fliege) pro Woche, mehr nehmen sie nicht. Wurden von der Königin nur wenige Arbeiterinnen (2-8) aufgezogen, ist das auch noch zu viel.
Insekten müssen immer frisch sein, Angetrocknete nehmen sie als kleine Kolonie nicht mehr. Auch wenn diese eingetragen werden, sie entsorgen sie später einfach wieder oder lassen sie im Nest vergammeln. Das bedeutet jeden Tag ein neues Insekt und das vom Vortage entfernen, nur nicht aufgeben. Wenn sie ein Insekt genommen haben, sind auch ein paar Tage ohne möglich. Wer wegen der immer bestehenden Milbengefahr, lieber Abgekochtes füttern will, mit Abgebrühten, zerkleinerten Fliegenmaden habe ich gute Erfahrungen gemacht. Abgekochte Maden nehmen sie auch noch, wenn diese eingefroren waren, sie lassen sich so gut bevorraten. Von zerkleinerten Mehlwürmern sind sie nicht besonders begeistert, müssen sie davon leben, entwickeln sie sich mit geringerer Anzahl. Zerkleinerte Mehlwurmpuppen werden eher genommen.
Das Futter nicht zu weit vom Nest anbieten (nicht mehr als 5 cm), auch der Boden muss so beschaffen sein, dass sie ihr Futter leicht transportieren können, sie geben sonst auf und lassen es liegen. Körner auf einer Unterlage gereicht, können gut wieder entfernt werden, es lässt sich so gut austesten, was sie mögen. Sind es viele Körner, lagern sie diese auch außerhalb des Reagenzglases, fein säuberlich auf einen Haufen.
Dabei stapeln sie auch gern zwischen den Vorräten im Reagenzglas und dem externen Lager hin und her. Erst wenn sie die Körner zusammen mit ihrem Müll lagern, sind sie abgeschrieben.
Feiner lockerer Sand ist nicht geeignet, gut zurecht kommen sie bei mir mit einem festen, dünnen Lehmboden oder einem Gipsboden, der sich auch gut reinigen lässt. Beide Böden speichern gut Feuchtigkeit. Sandboden anfeuchten, damit er fester wird, bringt auch nichts, sie graben darin. Notfalls geht auch Kies, der ist allerdings nur schlecht zu reinigen. Längere Schlauchwege sind in der Gründungskolonie nicht angebracht. Überhaupt, je kleiner die Anlage ist, um so weniger Verluste gibt es bei den Arbeiterinnen. Bis Ihr sie dabei beobachten könnt, wie sie weiträumig durch Schläuche und Rohre laufen, müsst ihr Euch noch gedulden. Auch liegt noch möglicherweise eine Winterruhe dazwischen.
Die Haltungstemperaturen sind nicht so kritisch, 23-28°C sind in Ordnung. Bei Temperaturen über 30°C verkriecht sich auch eine Messor barbarus. Gibt es dazu keine Möglichkeit, nehmen sie Schaden, also Vorsicht mit wärmenden Lampen. Dies besonders, wenn sie auf das Nestreagenzglas gerichtet werden, in so einer Glasröhre wird es schnell zu warm. Bei niedrigeren Temperaturen verlängert sich die Entwicklungszeit vom Ei bis zur Ameise etwas, schaden tut es nicht.
Eine wesentliche Voraussetzung, die mit zu einer guten Entwicklung beiträgt, ist die richtige Feuchtigkeit. Richtiger ist, bei ungeeigneter Luftfeuchtigkeit oder Nestfeuchtigkeit, gehen sie ein.
Wo muss sie liegen die optimale Feuchtigkeit? Dazu ein paar Worte vorab. Es sind 2 Feuchten, auf die es ankommt, die Luftfeuchtigkeit und die Boden- bzw. Nestfeuchtigkeit. Zur Luftfeuchtigkeit gehört auch immer eine Temperatur. Was bedeutet, dass 70%rel bei 20°C eine andere Feuchte ist, als 70%rel bei 28°C. (Anderer Wassergehalt in der Luft) Zudem sind kostengünstige Feuchtemessgeräte meistens sehr ungenau.
Die Angaben über die Luftfeuchtigkeiten zur Haltung dieser Art sind fast immer zu hoch. Luftfeuchtigkeiten über 70%rel bei 26-28°C sind nicht nötig, sie vertagen es auch trockener. Habe sie früher auch viel zu feucht gehalten und meine Haltungsbedingungen überarbeiten müssen.
Auch die Nestfeuchtigkeit wird oftmals zu nass angegeben. Kondenswasser, schimmelndes Futter, austreibende Körner sind ein deutliches Zeichen dafür, dass es zu nass ist. In den Jahren, seitdem ich sie halte, habe ich die Nestfeuchte immer weiter reduziert. Heute bin ich ganz davon abgekommen, ihnen einen nassen und einen trockenen Nestbereich zur Verfügung zu stellen. Wenig Feuchtigkeit reicht, nasse Stellen sind nicht erforderlich und nicht hilfreich. Gleichzeitig ziehen sie da ihren Nachwuchs auf und lagern die Körner, das geht prima. Weite Distanzen zwischen Nachwuchs und Körnern mögen sie in dieser Phase ihres Lebens nicht.
Größere Kolonien kommen mit zu viel an Feuchtigkeit im Nest zurecht, sie tragen ihre Körner an trockene Stellen, das kann auch mal die Arena sein. Kleine Kolonien leiden unter den Folgen, sie sind nicht in der Lage den Gammel zu entfernen. Versperrt ihnen dieser den Ausgang oder Bereiche ihres Nestes, gibt es Probleme, die sie meisten nicht selber lösen können.
Ich hatte schon Kolonien mit der Veranlagung, bei zu hoher Boden und Luftfeuchtigkeit, sich gegenseitig die Gaster abzubeißen. So ein Verhalten gibt es nicht bei jeder Kolonie, irgendwie eine besondere Verhaltensweise, die mir nur selten untergekommen ist.
Das es zu trocken sein kann, gibt es auch, die Folgen, sie ziehen weniger Larven auf. Hält dieser Zustand länger an, sterben Eier, Larven, Puppen. Auch Fehlentwicklungen sind später beim Schlupf der Arbeiterinnen zu beobachten, bis hin zu nicht lebensfähig.
Gibt es in der Anlage feuchtere Stellen, tragen sie kurzfristig ihre Eier, Larven und Puppen dahin.
Hier eine andere Kolonie, die es vorzog, vor dem Reagenzglas zu wohnen.
Zu meiner besonderen Freude konnte sie so ausgiebig beobachten. Gut sichtbar, die Königin und alle Stadien der Nachwuchsentwicklung, Von kleinen Larven bis zu den pigmentierten Puppen, die bald schlüpfen. Die größeren Larven werden die ersten mittelgroßen Arbeiterinnen (Media - Arbeiterinnen).
So richtig ruhig wollten sie nicht bleiben, auch so eine kleine Kolonie ist nicht einfach zu zählen, diese hier besteht aus ca. 60 Arbeiterinnen.
Um die Feuchtigkeit richtig einzuschätzen und zu dosieren, dafür sind Erfahrungen mit Ameisen hilfreich, die nicht so sensibel reagieren. Wenn Ihr da noch Erfahrungen sammeln wollt, holt Euch eine Kolonie Lasius niger.
Trinkwasser biete ich zwar immer an, das sie davon nehmen ist nur ganz selten zu beobachten, das kommt erst später als größere Kolonie. Nie offenes Wasser anbieten, sie ertrinken darin, selbst ein Tropfen ist schon zu viel. Aus dem gleichen Grund eignet sich kein Wassergraben als Ausbruchsschutz. Ein Ausbruchsschutz muss sein, auch wenn in der Gründungsphase nur selten eine Ameise an den Scheiben kletternd zu sehen ist. Nachts sind sie besonders aktiv und da gehen dann unnütz Ameisen verloren. Das Messor barbarus nicht an Glasscheiben hoch kommen, ist nur ein Märchen.
Und achtet auch darauf, das nicht Spinnen in die Anlage kommen, die Ameisen sind dann verloren. Auch lebende Futtertiere sind nicht geeignet für eine Gründerkolonie. Die Ameisen sind schlechte Jäger, können die Futtertiere nicht erbeuten, auch richten diese so manchen Schaden an.
Ob nun Reagenzglas, Ytongnest, Gipsnest, es sind alles unnatürliche Wohnmöglichkeiten für diese Art. Heute halte ich eine Gründerkolonie so lange wie möglich im Reagenzglas, das ich in eine kleine Schachtel lege oder an eine sehr kleine Arena anschließe. Ein anderes Nest bekommen sie nicht. Das alles ist gut zu beobachten und unter Kontrolle zu halten. Sie verbringen darin, je nach Entwicklung bis zu 8 Monaten, läuft es nicht so gut, gehen sie auch so in Winterruhe. Entwickeln sie sich gut, ist die Kolonie in dieser Zeit auf 40 – 140 Arbeiterinnen angewachsen. Habe allerdings auch schon Kolonien gehabt, die es in der Zeit nur auf ca. 20 Arbeiterinnen gebracht haben. Das ist in Ordnung und geht auch, ein brauchbares Ergebnis, wenn Ihr mit dieser Art angefangen habt. Habe auch viele Jahre und Versuche gebraucht, bis ich die Haltungsbedingungen soweit verfeinert hatte, dass ich 8 Monate nach der Auswinterung der Königin, so eine Kolonie einwintern konnte.
Das klappt auch heute leider nicht immer. Viele Dinge mache ich aus dem Gefühl heraus und mit den Jahren der Ameisenhaltung, habe ich es immer besser hinbekommen.
Eine weitere Beobachtung, die jetzt neu schlüpfenden Ameisen sind deutlich größer, einige haben schon den für Messor barbarus typischen dunkelroten Kopf. Die richtig großen Majorarbeiterinnen sind das noch nicht, die kommen erst nach der Überwinterung. Auch wenn Ihr sie gern weiter beobachten möchtet, verständlich, sie sind ja mit jedem Tag aktiver geworden, ist es jetzt an der Zeit für die Winterruhe.
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