Ernes Ameiseninfos

Pheidologeton diversus

Eine polygyne (mehrere Königinnen möglich) schwarz bis braun gefärbte Ameisenart, beheimatet in Indonesien.
In der es eine deutlich ausgeprägte Kastenbildung unter den Arbeiterinnen gibt.
Der Größenunterschied zwischen kleinster und größter Arbeiterin ist schon beeindruckend.

Ameisen die es warm lieben und sich gut entwickeln bei Temperaturen von ca. 24 - 28°C.
Keine besonders hohe Luftfeuchtigkeit erwarten, 50 - 70% rel bei 28°C.
Reichlich Eiweiß in Form von Insekten verlangen und gelegentlich kleinere Körner nehmen.
Ameisen, die am Anfang schnell mal eingehen können, wenn die Haltungsparameter nicht passen.
Auch sind sie in der Lage, reichlich Nachwuchs in kurzer Zeit aufzuziehen (Minorarbeiterinnen ca. 30 Tage).
Ameisen mit hohem Ausbruchspotenzial.

Auf diesem Bild sind die gößten Ameisen zu sehen, die es in einer Kolonie Pheidologeton diversus gibt.
                                                             
2 Majorarbeiterinnen und 2 Königinnen, die Majorarbeiterinnen erreichen fast die Größe der Königinnen

Hier 2 Majorarbeiterinnen die zusammen fast die Länge eines Streichholzes erreichen.
  

Eine durstige Königin, die ich später von einer Kolonie mit ca. 2000 Arbeiterinnen adoptiert wurde.
  

Die meisten der Arbeiterinnen, etwa 90% sind Winzlinge mit einer Größe von 4-5 mm.
Hier gut ist gut der Größenunterschied zu sehen, Minorarbeiterinnen und Königin, bei einer sehr kleinen Kolonie.
  

Hier ein andere  Kolonie mit 2 Königinnen.
                   

Hier eine kleine Kolonie die ich im Reagenzglas erhalten habe, Arbeiterinnenanzahl ca. 100 und eine Königin

Kaum ist der Wattestopfen raus, gehen sie gleich auf Erkundung, etwas unkoordiniert und hecktisch..
Sie mussten ja auch eine Zeitlang in der engen Röhre den Transport überstehen.
Nach ein paar Stunden ist wieder Normalität eingekehrt.
 
Neben den großen Majorameisen und der Schar an Minararbeiterinnen gibt es viele Zwischenstufen.
Auch bei dieser kleinen Kolonie waren schon größere Ameisen vorhanden.
  
Im Reagenzglas wollten sie nicht länger leben, war ja auch schon zu klein für die Kolonie.
Schnell hatten sie ein Loch gegraben und waren genau so schnell umgezogen.
 
Um sie an die Scheibe zu bekommen, hatte ich dort eine kleine Heizfolie angebracht, mit Wärme lassen sie sich gut locken.
Sie ziehen sehr viel Larven auf und durch eine Entwicklungszeit von ca. 30 Tagen bei den Minorarbeiterinnen, geht es schnell voran.
Die Voraussetzung dazu ist abwechslungsreiches Eiweißfutter.
Vorbereitet hatte ich ihnen ein kleines Becken, 60 x 30 x 30 cm. Als Boden ein Sandgemischs mit hohem Lehmanteil.
Der Gipsblocken war als erste Möglichkeit zum unterkriechen gedacht.

Vorne ist das Eingangsloch zum Nest sichtbar. Hinter dem Styroporstück ist die Heizmatte und das Nest.
Hier noch das ganze Becken, hinter dem Styropor liegt die Nestkammer
 

Die ersten 4 Wochen nach dem Transport sind kritisch, in dieser Zeit können viele Ameisen sterben.
Ursachen dafür sind beim Transport und veränderten Haltungsparametern in der eigenen Anlage zu suchen.

Es ist gut wenn die Ameisen mit viel Brut geliefert werden um die Ausfälle teilweise zu überbrücken.
Nach ca. 30 Tagen schlüpfen die ersten Minorarbeiterinnen, aufgezogen in der neuen Heimat.
Sind die Haltungsparameter passend und gibt es geeignetes Eiweißfutter zur Genüge, gehören sie zu den Ameisen,
die es verstehen überaus reichlich Nachwuchs aufzuziehen.

Neben Eiweiß futtern sie auch kleine Körner und andere Samen.
Eine der Schwierigkeiten bei der Haltung ist es, den Boden feucht zu halten ohne dabei die Luftfeuchtigkeit zu weit ansteigen zu lassen.
Erschwert wird das noch durch die höhere Haltungstemperatur die sie brauchen.
Das setzt schon ein gutes Belüftungssystem voraus.

Leider sind diese Ameisen so klein, das da schon besondere bauliche Massnahmen gebraucht werden um sie unter Kontrolle zu halten.
Bei einer größeren Kolonie hatte ich da schon mal eine Ameisenstraße mit ein paar hundert übereifrigen Arbeiterinnen  in der Regalwand.
Es war mir eine besondere Freude, sie wieder einzufangen, kann gar nicht mehr sagen wie lange ich dazu gebraucht habe?
Sie quetschen sich durch die kleinste Ritze und durch so manches Gitter, ist kaum zu glauben.
Außerdem beißen sie so Einiges durch, breitere Fugen aus Silikon werden akribisch zerlegt.

Es ist schon erstaunlich was wenige Ameisen an Nachwuchs aufziehen können
 
Die Kolonie besteht hier aus ca. 1000 Arbeiterinnen.
Rechts in der Brutkammer sind die ersten Puppen der richtig großen Majorarbeiterinnen zu sehen.
Schon früh ziehen sie diese großen, imposanten Ameisen auf.
Ich halte nichts davon, wie es leider immer wieder zu lesen ist,
die Majorarbeiterinnen in der Gründungsphase zu entfernen, wenn es Probleme gibt.
Das Desaster lässt sich so nicht verhindern, die Haltungsbedingungen stimmen einfach nicht.
Wenn diese Ameisenart diese Arbeiterinnenkaste nicht braucht, würde sie diese auch nicht aufziehen.
Wozu die Majorarbeiterinnen gebraucht werden, ist mir allerdings nie klar geworden,
die Minorarbeiterinnen sind es welche die Kolonie am leben erhalten, die wichtig sind.
Eine Unklarheit bleibt für mich dabei allerdings,
sind es wirklich Gründerkolonien die verkauft werden, oder zusammengestellte Kolonien?
Diese Art ist überaus tolerant, sie akzeptiert fremde Arbeiterinnen und auch Königinnen.
Es stellt sich für mich die Frage, ob wirkliche Gründerkolonien auch schon so früh Majoarbeiterinnen aufziehen,
oder ob es nur eine Folge ist, resultierend daraus, das ältere Kolonien aufgeteilt wurden?
Für mich bestehen da Zweifel, wo mir die Möglichkeiten fehlen es weiter zu klären.

Zwei meiner großen Kolonien sind mit den gleichen Symptomen gestorben, im Abstand von einem Jahr.
Es dauerte jeweils nur ca. 2 Monate, bis keine Ameise mehr lebte.
CIMG7869
Sie starben zu Tausenden, erst die Minorarbeiterinnen, zu letzt die größeren Arbeiterinnen.
Von den Königinnen war nichts mehr wieder zu finden.

Im Vorfeld war zu beobachten, das sie Männchen aufzogen, hier Eins am Nesteingang
 

Gut davon später mehr.

Hier Bilder der Arena von der Kolonie über die ich hier berichte, die Anlage so halbwegs gelungen,
leider waren die Ameisen da anderer Meinung, wie später noch zu sehen ist.
       
Es ist hier schon sichtbar, welchen Aufwand ich betrieben habe um diese Art zu halten
und so wie ich es zu diesem Zeitpunkt bewertet hatte, erfolgreich.
Die 12 Volt Lampen habe ich direkt ins Becken gebaut, um neben dem Licht auch die Wärme dieser Lampen zu nutzen.
Zusätzlich eine Wärmelampe, Temperaturgesteuert, der Sensor dafür hängt auch in der Arena.

Es ist schon erstaunlich was diese Ameisen schon als kleine Kolonie so an Insekten eintragen.
Kleine Körner brauchen sie auch.
Zuckerhaltige Lösungen, da sind sie auch nicht abgeneigt aber auch nicht besonders gierig,
geht durchaus auch ohne bei einer Gründer- oder Kleinkolonie.
  
Sie brauchen abwechslungsreiche Kost um sich gut zu entwickeln,
allerdings sind sie mit dem Angebotenem nicht immer einverstanden und lassen es einfach liegen.
         

Klar wurde auch, es handelt sich hier um eine Ameisenart, die innerhalb von 6 Monaten,
von ca. 100 Arbeiterinnen auf einige Tausend anwächst.

                                  

Schneller als erwartet, wurde zusätzlicher Lebensraum benötigt.
Als Erweiterung benutzte ich ein Glasbecken 100 x 50 x 40 cm, in der Höhe durch eine Plexiglasscheibe unterteilt.
Der obere Teil als Arena der untere Teil für die Nesterweiterung.
An der Vorderseite des unteren Beckenteils kam das Nest, es reichte fast über die ganze Breite, ca. 80 cm.
Angefertigt habe ich es aus Gips.
Der Raum im Becken hinter dem Gipsnest blieb aus Gewichtsgründen fast leer, lediglich einen kleinen Wassertank hatte ich da eingebaut.

Das Gipsnest wurde an den Seiten, die nicht am Glas anlagen mit einer feinen Metallgaze abgesichert.
Eine größere Kolonie dieser Art hat keine Probleme damit, Gips durchzunagen, bei Ytong sieht das nicht anders aus.
Auf die Plexiglasscheibe kam als Boden eine ca. 1 cm dicke Gipsschicht.

Die Zeit, die ich für den Erweiterungsbau brauchte, wussten die Ameisen gut zu nutzen.
Nicht nur, dass sie sich weiter reichlich vermehrt hatten, nein, sie haben ihr altes Becken komplett umgestaltet.
                      
Jedes Erdkörnchen sorgsam neu angeordnet und ein richtige Kraterlandschaft angefertigt.
Schon beeindruckend, von der Dekoration nichts mehr zu sehen, hätte ich mir sparen können.

Das neue Becken wurde mit einem Schlauch angeschlossen.
Es dauerte nicht lange und die Ameisen hatten es entdeckt, allerdings benutzten sie Anfangs nur die Arena, umziehen wollten sie noch nicht.
                     
Ihr Futter bekamen sie nur noch in der neuen Arena, kaum hatte eine Ameise Futter entdeckt, ging das Geränne los, in Scharen kamen sie.
Richtig was los im Schlauch.
                   
Sie hatten auch keine Probleme damit, ihre Beute durch den Schlauch zu transportieren, was eine Ameise nicht Schaft, machen sie gemeinsam.
Ihre Logistik ist schon interessant, sie zerren und schleifen ihre Beute nicht einfach, nein sie packen von allen Seiten an, und heben sie leicht hoch.
             
Auch hier ist zu sehen, die Minorarbeiterinnen machen die Arbeit, sterben sie, geht auch die Kolonie ohne fremde Hilfe unter.

Irgendwie haben sie es geschafft an den Wassertank zu komme sie hatten
keine Probleme das Seramis herauszutragen und in der Arena zu verstreuen.
Richtige Straßen haben sie angelegt.
                                
Und dann war es so weit, der große Umzug ging los.
Larven, Puppen und die Majorarbeiterinnen, alles musste durch den Schlauch.
                
Nach gut 2 Tagen war der Teilumzug fertig, sie lebten von da an im Erdnest und im Gipsnest, im unteren Teil der Arena.
Die Königinnen verstanden es sich meiner Kontrolle zu entziehen, sie zogen das Erdnest dem Gipsnest vor und zogen nicht mit um.

Hier geleiten sie eine junge Majorsarbeiterin ins neue Nest, wie zu sehen ist, nehmen sie locker jede Steigung.
                  
Diese Ameisen sind in der Lage an vielen Materialien hochzuklättern.
                                
Das stellt besondere Anforderungen an den Ausbruchsschutz.

Eine Begebenheit am Rande.
Eines morgens, als ich zu meinen Ameisen schaute, viel mir gleich auf, das jemand an den Körnertüten war.
Gleich hatte ich meine Messor barbarus im Verdacht, zu unrecht, wie sich herausstellte, da war alles in Ordnung.
Willkürliche verstreute Körner und restliche Ameisen führten mich zu der einzigen offenen Öffnung der Pheidologetonanlage.
Der dort vorhandene Ausbruchsschutz (PTFE) schien in Ordnung, jedenfalls schaffte es keine Ameise heraus.
Auch war es mir ein Rätsel wie die wenigen Ameisen, die noch unterwegs waren, so viele Körner verstreuen konnten.
Ameisen und Körner eingesammelt und weiter beobachtet.
Am nächsten Morgen fast das gleiche Bild, mit einer Abweichung, noch mehr Ameisen unterwegs.
Mit Sorge suchte ich die ganze Anlage ab, ob sie nicht doch eine Stelle gefunden hatten, die sie durchnagen konnten.
Die kleinen Minorarbeiterinnen dieser Art passen durch fast jede Ritze und wenn sie eine Möglichkeit finden
sind sie gleich in Scharen dabei ihren neuen Lebensraum zu erkunden.
Merkwürdig nur, warum waren sie am Tage nicht unterwegs?
In der Nacht konnte ich sie überraschen, die Lösung für ihren nächtlichen Spaziergänge war einfach und simpel.
Durch die ansteigende Luftfeuchtigkeit in der Nacht verlor das PTFE teilweise seine Wirkung, die Ameisen
liefen mit etwas Mühe einfach darüber.
Morgens wurde das Becken durch die Beleuchtung erwärmt, die Luftfeuchtigkeit viel und die Ausbruchssicherung
erfüllte wieder ihren Zweck.
Es kamen keine Ameisen mehr raus und die Heimkommenden purzelten größtenteils ins Becken.

Es ist schon beachtlich was diese Ameisen so alles futtern, das wird schon teurer.
Kleinere Kolonien sind noch etwas wählerisch, was das Angebotene betrifft.
                                              
Große Kolonien nehmen alles an Insekten, was sie klein bekommen.
Fliegen, Fliegenmaden, Heimchen, Mehlwürmer, Mehlkäferpuppen, selbst ausgewachsene Heuschrecken sind kein Problem.

Pheidologeton diversus scheinen besonders anfällig für Milben zu sein, eine Erfahrung, die ich selber auch machen musste.
Es handelte sich dabei um sehr kleine Milben, die anfangs nur auf den Minorarbeiterinnen zu beobachten waren,
erst später auf den größeren Arbeiterinnen.
Ameisen, die kräftiger befallen waren, konnten sich nicht mehr koordiniert bewegen und starben bald.
Alles, was ich versucht hatte, um die Milben wieder aus der Kolonie zu bekommen, hat mehr den Ameisen geschadet als den Milben.
Letztendlich habe ich die Kolonie in einer frostigen Nacht in den Garten gestellt und sie abgetötet.
Auch war mir das Risiko zu groß, noch andere Ameisenkolonien zu infizieren.
Den Inhalt der Anlage konnte ich danach in Ruhe überbrühen und entsorgen.

Auch wenn es mir bei dieser Kolonie nicht geholfen hat, aus meiner Sicht ist es notwendig, diese Ameisen
nur mit überbrühten Insekten zu füttern.
Die Ameisen stört das nicht, sie nehmen es ohne Probleme und entwickeln sich normal.

Ein anderes Problem, das schnelle Koloniewachstum.


Es macht da auch keinen Unterschied ob die Kolonie mit einer oder mehreren Königinnen gehalten wird.
Eine Königin reicht in der Gefangenschaft bei Weitem, um schnell eine große Kolonie aufzuziehen.
Wie schnell eine Kolonie wächst, liegt nicht an der Anzahl der Königinnen.
Das Wachstum wird beeinflusst durch die Anzahl der Arbeiterinnen und den Haltungsbedingungen, hier besonders
durch Temperatur und Eiweißfutter.
Als Absicherung für einen Todesfall könnte eine weitere Königin gut sein.
Diese Ameisen adoptieren unter bestimmten Bedingungen auch weitere Königinnen.
Das ist jetzt nicht nur gelesen und interpretiert, sondern eine meiner Beobachtungen.

Eine Geburtenkontrolle durch Futterreduzierung ist bei dieser Ameisenart nur mit großer Vorsicht machbar.
Wird das richtige Maß nicht hinbekommen, gibt es ein Desaster.
Ein Versuch endete mit dem völligen Zusammenbruch der Kolonie.
Das liegt aus meiner Sicht daran, das die Lebenserwartung der Minorarbeiterinnen kürzer ist als die
der größeren Media/Majorarbeiterinnen.
                    
Durch die Futterreduzierung werden nicht mehr ausreichend Minorarbeiterinnen aufgezogen, die Zusammensetzung
der Kolonie verlagert sich zu den größeren Ameisen und die wichtigen Kleinen sind zu wenig.
Ist dieser Punkt erreicht, ist es auch schon zu spät, die Aufzucht von Nachwuchs brach ganz zusammen und es
blieben nur noch die Königin und die Majorarbeiterinnen übrig.
Die lebten noch einige Wochen, bis sie wohl verhungert starben.
Wie gesagt das ist meine Ursachendeutung, sind noch andere Möglichkeiten denkbar.

Einer der Gründe für die Haltung dieser Art könnte in der Faszination liegen die von den richtig großen Majorarbeiterinnen ausgeht.
Ob das den Aufwand wert ist, der betrieben werden muss, um diese Tiere über längere Zeit zu halten,
muss Jeder für sich selber entscheiden.

Ein paar Bilder noch.